Endlich wieder ein Apple Macintosh! Es ist nicht mein erster Mac - aber der erste nach einer ziemlich langen Pause. Und ich muss sagen: Die lange Abstinenz hat sich gelohnt, der kleine Neue macht so viel Spaß wie lange kein Computer vor ihm.
Manchmal kauft man sich Dinge einfach nur deswegen, weil der Kontostand nicht sofort "Halt!" ruft. So etwa ist es mit dem Mac Mini auch gewesen. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die kleinen Zwerge leistungsseitig aufgerüstet worden sind, außerdem ist das Mac OS mit dem lyrischen Namen Snow Leopard immerhin ein ausgewachsenes 64 Bit-System. Und obendrein läuft, wenn man möchte, sogar Windows auf dem Ding. Wohlan - dann sollte so eine kleine Schachtel mir gehören.
Dem gingen dann allerdings doch noch einige Überlegungen voraus. Denn auch wenn ich nicht unbedingt einen neuen Computer gebraucht hätte, hatte ich doch klare Vorstellungen davon, was er leisten und sich nicht leisten sollte. Er sollte klein, leise und sparsam sein, gleichzeitig sollte er schneller sein als mein selbst zusammengesetzter Mini-PC auf Atom-Basis, der sich bei der Bildverarbeitung bisweilen schon etwas Zeit lässt. Und so fing ich an, geeignete Angebote herauszusuchen. Und kam (Stand September 2009) so ungefähr auf folgendes Ergebnis:
- Acer Aspire R3600 REVO: 349,00 Euro
...mit Intel Atom 230, 1.6 GHz, 320 GB Festplatte und 4 GB RAM - Acer Veriton L460: 519,00 Euro
...mit Intel Core 2 Duo, 2.6 GHz, 160 GB Festplatte und 2 GB RAM - Asus Eee Box EB1501: 399,00 Euro
...mit Intel Atom 330. 1.6 GHz, 250 GB Festplatte und 2 GB RAM - Apple Mac Mini 2.26: 539,00 Euro
...mit Intel Core 2 Duo, 2.26 GHz, 160 GB Festplatte und 2 GB RAM - Fujitsu Siemens ESPRIMO C5730: 589,00 Euro
...mit Intel Core 2 Duo, 2.8 GHz, 250 GB Festplatte und 2 GB RAM - Lenovo ThinkCentre M58: 659,00 Euro
...mit Intel Core 2 Duo, 2.8 GHz, 320 GB Festplatte und 2 GB RAM - MSI Wind Nettop 3325VHP: 339,00 Euro
...mit Intel Atom 330, 1.6 GHz, 500 GB Festplatte und 2 GB RAM
Diese Liste ist natürlich nicht vollständig, aber gibt so etwa den Bereich wieder, in dem ich gesucht habe. Die Angebote mit Atom-Prozessor sind nur wegen ihrer Sparsamkeit in der Liste - eigentlich suchte ich etwas leistungsstärkeres - ohne in die Bereiche vorzudringen, in denen ich ein eigenes Blockkraftwerk im Keller installieren muss, um das explodieren des naheliegenden Umspannwerkes zu verhindern. Was aus der Liste nicht so ganz hervorgeht, ist das mitgelieferte Zubehör und die Art, wie die entsprechenden Komponenten miteinander verbaut sind. In manchen Computern sind langsame Festplatten verbaut, oder langsamer Arbeitsspeicher. Einige haben bereits WLAN an Bord, andere brauchen dafür eine Erweiterung. Nun, um es kurz zu machen: Der Apple war überraschenderweise nach etwas Überlegung tatsächlich das günstigste Angebot. Wer hätte das gedacht! Also loggte ich mich im Apple Store ein und bestellte meine Wunschkonfiguration. Die bestand dann aus dem 2.26 GHz Mac Mini, dazu einer Terrabyte-Festplatte im passenden Design und einer Wireless-Tastatur. Die sieht einfach schick aus - und 69 Euro war mir etwas Stil auf meinem Schreibtisch wert.
Der Apple-Store ließ sich mit dem Versand volle zwei Wochen Zeit. Vermutlich war die Nachfrage viel höher, als man gedacht hatte. Dann kam die kleine, überraschend schwere, quadratische Schachtel an - und ich kam mir vor wie zu Weihnachten. Klingt ein wenig albern: Aber darauf hatte ich mich wirklich gefreut. Ich packte aus, und irgendwie kam mir ein alter Irrtum früherer Mac-Benutzer in den Sinn. Der gute, alte Mac Classic war ja ein Würfel, der sowohl die Computerhardware als auch den Bildschirm beinhaltete. Als Apple dann später Geräte anbot, bei denen beides voneinander getrennt war, nannten viele den eigentlichen Computer Festplatte - sie vermuteten offenbar weiterhin das Elektronenhirn irgendwo hinter der flimmernden Mattscheibe. Nun - aus meinem Paket zauberte ich zwei nahezu identisch große, kleinere Schachteln: Eine mit dem Computer, eine mit der Festplatte. So weit sind wir also heute schon: Computer und Festplatte haben die gleichen Dimensionen erreicht.
Meinen großen 24-Zoll-Bildschirm konnte ich dank beiliegendem Mini-DVI-auf-DVI-Adapter problemlos anschließen. Das externe Netzteil, welches übrigens im laufenden Betrieb auch unter Vollast nie mehr als handwarm wird, in die Steckdose, Maus anstöpseln - und los geht's. Wrooooooom - der gute, alte, blecherne Einschaltton. Dann eine oder zwei Minuten warten, bis das System so richtig erwacht ist. Die drahtlose Bluetooth-Tastatur wird schon während des Boot-Vorgangs erkennt und kann während des kurzen Assistenten, der das System herrichtet, bereits verwendet werden. Nicht selbstverständlich, so viel ist sicher.
Neugierig spitzte ich zunächst die Ohren: Der kleine Mini ist wirklich nicht zu hören. Die externe Festplatte von Iomega hingegen schon. Aber deren Brummen bekomme ich mit einer kleinen Moosgummiunterlage schnell unter Kontrolle - dann herrscht wieder Ruhe auf dem Schreibtisch. Apropos Schreibtisch: So richtig mochte ich das Mac OS noch nie, und auch an diesem hier legte ich sofort Hand an, um ihm die Disney-Manieren auszutreiben. Keine hüpfenden oder sich aufblähenden Symbole, keine sich zusammenfaltende Fenster. Das ist mein Arbeitsgerät - ich habe schließlich mein Motorrad auch nicht mit bunten Aufklebern verziert, um den Blinker zu finden. So richtig harmonisch funktionierte das System übrigens erst nach einem fast 2 GByte großen Update. Danach ließen sich dann auch alle Tastaturfunktionen nutzen, die vorher einfach brach lagen.
Nächstes Problem war die Datensicherung. Apple liefert mit dem Programm TimeMachine ein wirklich kinderleicht zu bedienendes Backup-Programm mit. Leider sichert das in einem proprietären Format - und mir schwebte da etwas anderes vor. An Stelle einer Datensicherung verwende ich zu Hause auf meinen Desktops und Notebooks eine kleine Software, welche Dokumente, Fotos und Mediendateien der lokalen Festplatte mit meinem kleinen Server synchronisiert. Geht der Server oder ein Client mal kaputt, sind die Daten immernoch auf mehreren anderen Computern verfügbar. Ich habe sozusagen meine eigene Cloud gebaut. Das funktioniert prima mit Windows - aber geht es auch beim Mac? Eine kurze Recherche ergab, dass es schon öhnliche Programme auch für Mac OS gibt - aber die meisten davon sind kostenpflichtig - und mit bis zu 100 Euro nicht wirklich billig. Das musste auch anders gehen - und das tut es auch. Denn Mac OS ist ja eigentlich BSD Unix. Also kramte ich das etwas versteckt unter den System-Werkzeugen versteckte Terminalprogramm hervor und schaute der schicken Oberfläche mal unter den Rock. Tatsächlich - ich fühlte mich sofort zu Hause. Die komplette Standard-Verzeichnisstruktur von UNIX ist vorhanden - inklusive aller Standardtools. Die komplette Einbindung in Windows-Netzwerke wird zum Beispiel von Samba übernommen. Und natürlich gibt es auch ein rsync - und damit alles, was ich brauchte. Kurze Zeit später war also auch dieses Problem gelöst - zum Nulltarif und Cron-gesteuert.
Was in der Software-Ausstattung fehlte, war eine Textverarbeitung. Auf den iBooks wird wohl Apple Works mit ausgeliefert, auf dem Mac Mini fehlt das. Aber eigentlich fehlt da überhaupt nichts. Auf meinen Windows-Computern verwende ich ohnehin OpenOffice - und das gibt's natürlich auch für Mac OS. Also rauf damit. Dann brauchte ich noch einen Ersatz für mein geliebtes Homesite - mit irgendeinem Programm musste ich ja hier auch meine Artikel schreiben können. Hier war die Suche etwas aufwendiger - aber ich habe einen guten Ersatz gefunden: Smultron. Ein kostenloser Texteditor mit Syntaxhighlighting, Vorschaufunktion und - für Menschen, die in ein Content-Management-System schreiben, ganz wichtig: Code-Snippets. Das bedeutet, häufig verwendete Code-Teile können abgespeichert und als eine Art Textbaustein per Mausklick oder Tastenkombination eingefügt werden. Jetzt noch Gimp als Bildbearbeitungsprogramm - und fertig ist die Standardausstattung. Lässt (fast) keine Wünsche offen.
Aber eben nur fast. Ich arbeite immerhin in einer Firma, deren Hauptprodukt ausschließlich unter Windows arbeitet. Also wäre es schon hilfreich, auf dem heimischen PC die gleiche Softwareumgebung einsetzen zu können. Zum Glück hat Apple vor ein paar Jahren auf Intel-Prozessoren umgestellt und damit seine Hardware-Welt für Windows geöffnet. Heute kann man per Boot-Camp beide Betriebssysteme auf einem Mac installieren und beim Starten wählen, womit man arbeiten will. Aber ständig Neustarten, um zwischen den Systemen zu wechseln ist überhaupt nicht notwendig. Es gibt ja zum Glück VMWare. Auf dem PC verwende ich diese Virtualisierungssoftware schon seit Ewigkeiten. Und es gibt sie auch für den Mac - hier heißt sie VMWare Fusion. Und da wird wirklich Einiges verschmolzen. Die Software kostet zwar 79 Euro - aber ist wirklich jeden einzelnen davon Wert. Nach der völlig unkomplizierten Installation können neue virtuelle Maschinen angelegt werden - aber auch bereits vorhandene von einem PC übernommen werden. Obendrein besteht die Möglichkeit, mit Hilfe eines Assistenten einen kompletten Windows-PC kurzerhand zu virtualisieren und unter Fusion auf dem Mac laufen zu lassen.
Ich hatte es da leicht - meine virtuelle Maschine war schon fertig - ich musste sie vom PC nur auf den Mac kopieren. Sie fand auf der per FireWire angeschlossenen externen Festplatte ihr Zuhause. Nach einem automatisch durchgeführten Upgrade auf die neueste "virtuelle Hardware" startete Windows völlig problemlos. Durch die drastische Hardwareänderung verlangte Windows allerdings nach einer erneuten Aktivierung bei Microsoft. Dann konnte das Spielen mit Fusion so richtig losgehen. Und das macht wirklich Spaß. Zum einen läuft Windows unter Fusion auf dem Mac Mini wirklich rasant. Als Vergleich habe ich mein 2 GHz-Intel-Notebook von Lenovo herangezogen. Die gefühlte Arbeitsgeschwindigkeit lag auf dem Mac Mini deutlich höher. Ich habe es nicht probiert, aber angeblich sollen mit DirectX 9-Unterstützung sogar einige Spiele ganz vernünftig laufen. Das ist mir nun völlig egal. Tatsache ist, dass eine Umgebung mit Microsoft SQL Server und der Datenbankanwendung, welche mein Unternehmen anbietet, völlig problemlos läuft.
Aber so richtig verrückt wird es, wenn es darum geht, wie Fusion Windows-Programme in die Mac OS-Oberfläche integriert. Im sogenannten Unity-Modus wird der komplette Windows-Desktop ausgeblendet und alle Windows-Applikationen werden als normale Applikationsfenster im Mac OS angezeigt. Nur beim Verschieben der Fenster merkt man den Unterschied. Und kurioserweise macht einen das Mac OS rechts oben bei den Systemsymbolen dann auch mit dem wohlvertrauten gelben Schild auf verfügbare Windows-Updates aufmerksam. Aber meist arbeite ich doch lieber im Vollbildmodus von Fusion. Der funktioniert nämlich genau umgekehrt: Auf dem Windows-Desktop erscheinen Mac OS-Applikationsfenster. So kann ich mir also jederzeit aussuchen, in welcher Welt ich mich bewegen will: Mac OS, Windows oder UNIX - denn das werkelt ja unter der Oberfläche ohnehin still und unauffällig.
Mein Fazit ist: Wenn man sich dieser Tage mit dem Gedanken trägt, einen neuen PC zu kaufen, und man sucht nach einem schönen, sparsamen, nicht zu teuren Gefährtem für den Schreibtisch - dann darf es durchaus auch ein Mac Mini sein. Selbst, wenn man als Windows-Benutzer mit dem Mac OS nicht in allen Punkten warm wird, steht einem mit Fusion stets die Windows-Welt weiter offen. Aber für die meisten Menschen wird sich diese Frage vermutlich überhaupt nicht stellen - nach kurzer Eingewöhnung und dem Download einiger praktischer, kostenloser Zusatzsoftware hat man ein wirklich komplettes System vor sich, mit dem sich trefflich arbeiten lässt.
