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Tastatur-Chaos

Apple Wireless Keyboard

Es gab mal irgendeinen Film aus der StarTrek-Reihe, in dem sich der Chefingenieur - ich weiß nicht, ob es Scotty oder O'Brian war - vor einen heute zeitgenössischen PC setzte. Irgendein Zeitsprung hatte ihn in diese Verlegenheit gebracht. Jedenfalls begann er ganz selbstverständlich mit dem Computer zu sprechen - der ihn seinerseits mit aufrichtiger Nichtbeachtung strafte. Dann entdeckte der begnadete Techniker das Keyboard - und mit ihm auch seine Tücken. In ungefähr der gleichen Situation befinde ich mich momentan.

Nein, es ist nicht, dass ich neuerdings mit meinem Computer spreche. Das tue ich genau genommen schon immer, meine aber bei meinen Gesprächen meist nicht ihn, sondern mich, und er ist so klug, so zu tun, als bemerke er mich nicht. Nein, mein Problem sind meine letzte Neuerwerbungen - ein Acer Aspire One und ein Mac Mini. Beide sind nämlich von Hause aus mit einer dieser neuen, flachen Tastaturen ausgestattet, die einen irrsinnig leisen und bequemen Anschlag haben. Es dauert einen kleinen Moment, bis sich die Finger an das ungewohnte Schreibgefühl, bei dem die Fingerkuppen nicht mehr in die kleinen Mulden der Tasten einrasten, gewöhnen - aber dann will man's nicht mehr missen. Insbesondere, wenn man kein echtes 10-Finger-System schreibt wie ich, sondern die Finger mehr mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit die Tasten treffen, freut man sich über die etwas größere Tastenoberfläche und die damit gestiegene Trefferwahrscheinlichkeit. Von den besseren Möglichkeiten der Tastaturreinigung mal ganz zu schweigen.

Nun muss ich einschränkenderweise sagen, dass die Qualität der Tastatur am Acer nicht wirklich umwerfend ist. Das darf man an einem Gerät der Unter-500-Euro-Klasse sicher auch nicht erwarten. Eine der Cursortasten neigt gelegentlich zum Klemmen, und das "B" sitzt von Anfang an schief. Aber die Haptik ist hervorragend, und in einem leisen ICE-Waggon darauf zu arbeiten ist einfach eine Freude.

Dann trat der Macintosh mit seiner Tastatur in mein Leben - beziehungsweise auf meinen Schreibtisch. Vom Prinzip her ähnlich aufgebaut, ist diese Tastatur einfach zum Niederknien schön. Eingefasst in ein finigranes Aluminium-Gehäuse sitzen die Tasten in Form abgerundeter Quadrate erhaben auf der Oberfläche der Tastatur, der Anschlag ist weich, aber sicher, das Schreibgefühl komfortabel. Sicher - die Tastatur verzeiht leider auch kleinste Unebenheiten der Schreibtischoberfläche nicht und beginnt sofort zu kippeln. Das liegt am verwindungssteifen Aluminiumgehäuse. Ja, liebe Apple-Designer oder -Ingenieure: Manchmal ist ein wenig Torsion durchaus komfortfördernd. Auch die Tatsache, dass ich über die Tastatur den ausgeschalteten Mac nicht wie früher zum Leben erwecken kann sondern statt dessen den versteckt auf der Rückseite des Mini angebrachten Druckknopf betätigen muss, ruft bei mir ein Stirnrunzeln hervor. Sei's drum - der Rest jedenfalls ist einfach nur schön.

Aber. Natürlich ist da ein "Aber": Ich benutze meinen Mac nicht zum Spielen oder Surfen oder was auch immer typische Macintosh-Benutzer damit treiben. Ich programmiere damit. Und zu allem Überfluss auch noch unter Windows. Und da geht das Problem los. In praktisch allen modernen Programmiersprachen kommen geschweiften und eckigen Klammern in der Syntax besondere Funktionen zu. Leider hat man bei Apple überhaupt nicht für nötig befunden, diese Symbole auf die betreffenden Tasten zu drucken. Und - schlimmer noch: Sie sitzen auch noch auf anderen Tasten als unter Windows. Dazu kommt, dass einige Tasten auf der Mac-Tastatur gleich vollständig fehlen: <Einfg>, <Entf>, <Pos1> oder <Ende> sind offensichtlich für den Apple-Benutzer nicht notwendig. Für den Programmierer hingegen beim Navigieren durch und Bearbeiten des Quellcodes ziemlich hilfreich. Das solche Tasten wie Systemabfrage und Unterbrechen fehlen, sehe ich ja noch ein. Wenngleich auch diese beim Debuggen unschätzbare Dienste leisten. All dies bringt mich zu einem Schluss: Das komplette Mac OS X - weil ja schwer UNIX- und Java-lastig - ist offenbar komplett auf einem PC entwickelt worden und dann erst mit wenigen Handgriffen auf den Mac angepasst worden. Kein Programmierer würde sich die Hölle der Apple-Tastatur freiwillig antun.

PC-Keyboard

Die Lösung ist natürlich, einfach eine Standard-PC-Tastatur an den Mac anzuschließen. Der schluckt das neue Eingabegerät widerspruchslos, wenngleich durch die dann fehlende Apfel-Taste (die eigentlich keine mehr ist) manche Funktionen nicht mehr oder nur schlecht erreichbar sind. Das lässt sich sicher durch Treiberanpassungen sogar noch in den Griff bekommen. Nur leider bin ich dann vom schönen Design der Apple-Tastatur wieder meilenweit entfernt.

Momentan behelfe ich mir mit zwei Tastaturen: Die Mac-Tastatur wird für die Standardbedienung des Mac-OS verwendet und muss das Feld räumen, sobald ernsthaft gearbeitet wird. Meine intensive Suche bei allen möglichen Tastaturherstellern hat bislang noch kein Modell mit diesem schönen, neuen Tastenlayout zu Tage gefördert, welches zu allem Überfluss dann vielleicht auch noch die Sondertasten für beide Betriebssysteme an Bord hätte.

Liebe Tastaturhersteller: Auf pinkfarbene Hintergrundbeleuchtung könnte ich gerade noch verzichten - wenn dafür mal ein wirklich praktischen Gerät auf den Markt käme. Und an Apple: Seid bitte nicht kindisch und malt einen Backslash auf Eure Tastaturen - viele Mac-Benutzer müssen sich in Windows-Netzwerken zurechtfinden und hassen Euch wegen Eurer Ignoranz.

Nachtrag

Unlängst - und irgendwie sehr passend zu meinem Artikel - hörte ich in der S-Bahn das Gespräch zweier junger Männer mit. Der eine behauptete, inwzischen würden in der Entwicklungsabteilung von Microsoft nur noch Macintosh-Computer verwendet werden. Ich musst fast auflachen, stellte mir vor, wie die Kollegen Programmierer in Redmond verzweifelt den Backslash auf ihren Tastaturen suchen. Ich für meinen Teil habe dem Elend der Tastatursuche nun ein Ende bereite. Ich fahre tatsächlich zweigleisig.

Saitek Keyboard

Für die Arbeit unter Mac OS verwende ich weiterhin das Apple Wireless Keyboard. Für die Arbeit unter Windows war die Suche tatsächlich etwas schwieriger. Ich wollte eigentlich gerne eine Tastatur, die im Design zur Apple-Tastatur passt. Eine Weile recherhierte ich auf allen möglichen Anbieterseiten, dann kristallisierte sich heraus, dass am ehesten die Tastaturen der SONY VAIO-Serie gestalterisch in die gleiche Richtung gingen. Allerdings mit beinahe 100 Euro für eine ganze Menge Geld. Und die wirklich schönen SONY-Tastaturen - die zu den All-in-one-VAIOs gehören - bekommt man einzeln auch nicht für Geld und gute Worte zu kaufen. Dann gibt es noch die Firma Saitek, deren Tastaturen vom Layout den Apple-Produkten schon sehr gleichen. Man bekommt sie gerne auch in Pink zu kaufen, es gibt aber auch etwas unscheinbarere Modelle in schwarz oder weiß. Also entschied ich mich spontan für Wireless Slim Keyboard SOV44040 aus diesem Hause.

Was für ein Fehlschlag. Auch wenn das Layout auf den ersten Blick dem von Apple sehr ähnelt, unterscheidet sich die Tastatur im Detail ungeheuer von der kalifornischen Schönheit. Die Enter-Taste ist viel zu klein, statt ihr trifft man allzu häufig die direkt daneben plazierte Bild hoch-Taste, was beim Schreiben ähnlich unangenehm ist wie die permanente versehentliche Betätigung der Feststelltaste, wenn man eigentlich den Buchstaben A treffen wollte. Dafür, dass die Tastatur unter MAC OS die falsche Sonderzeichen-Belegung führt, kann Saitek nichts - für die völlig unbrauchbare Tastenanordnung schon. Erstaunlicherweise hatte ich schon im Laden festgestellt, dass alle Saitek-Tastaturen - auch wenn von identischen äußeren Abmessungen - ein leicht voneinander abweichendes Layout besaßen. Vielleicht experimentieren die Techniker noch, welche wirklich passt. Ich stehe als Versuchssubjekt nicht mehr zur Verfügung, entnervt stellte ich die Neuerwerbung in meine Hardwarekiste und machte mich wieder auf die Suche.

Microsoft Bluetooth Mobile Keyboard

Ich musste zum Glück nicht lange suchen - da fand ich das Microsoft Bluetooth Mobile Keyboard 6000. Die Typenbezeichnung, in 14-Punkt-Schrift auf ein Stück Papier bedruckt, dürfte etwa genauso lang daher kommen wie die Tastatur selbst. Das Design sieht zwar überhaupt nicht nach Apple aus, und eigentlich war ich auch nie ein Freund dieses merkwürdigen Microsoft Natural Keyboard-Layouts - aber diese leicht gebogene Schnurlostastatur schien doch eigentlich genau das Richtige zu sein. Sie nimmt auf dem Schreibtisch nicht zu viel Platz weg, kommuniziert über die im Apple ohnehin vorhandene Bluetooth-Schnittstelle und sieht eigentlich ziemlich wertig aus. Die spannende Frage ist nur: Kann man auf dem Ding wirklich gut schreiben? Ja, man kann. Es ist ein völlig anderes Schreiben als auf der Apple-Tastatur, aber wenn ich ehrlich bin, ein wesentlich schnelleres und sichereres. Die Finger finden wie von selbst die richtigen Tasten, kein versehentliches Betätigen irgendwelcher Sondertasten, und das Layout wird auch nicht überfrachtet mit dutzenden Sondertasten, die man programmieren kann, es aber meist ohnehin nicht tut. Also genau die richtige Wahl? Ja. Aber...

Es ist zum Verzweifeln, aber auch hier gibt es wieder ein Aber: Es fehlt die Pause / Unterbrechen-Taste. "Die was?" - werden die meisten jetzt fragen. Nun, Programmierer werden hingegen wissend den Kopf wiegen - oder schlicht sagen: Dann schreib Dir doch einfach einen Treiber, der's gerade biegt. Muss ich gar nicht, man kann in der Windows-Registrierung die Scan-Codes der einzelnen Tasten umbiegen. Ob und wie das mit der Pause / Unterbrechen-Taste geht, habe ich noch nicht herausgefunden. Wohl aber, dass die Programmierer bei Microsoft sicher weder eine Apple-Tastatur noch die hauseigene Bluetooth-Mobile-Tastatur verwenden. Was bleibt, ist der Wunsch nach DER Tastatur...

 

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