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Wien, 31. August 2011

Mauerblümchen

Schon wieder Wien. Vielleicht das letzte Mal dieses Jahr - aber nur vielleicht. Nach der Kälte, die inzwischen Berlin trotz Sonnenschein in den Krallen hat, ist Wien dieser Tage eine Zeitreise zurück in den Sommer. Na, mir soll's recht sein.

Wie habe ich es eigentlich geschafft, aus dem riesigen Haufen T-Shirts in meinem Kleiderschrank genau die beiden in meinen Rucksack zu stopfen, die entweder an prominenter Stelle Flecke oder Löcher tragen? Es scheint, als sei ich trotz all meiner Versuche, seriös zu wirken, doch einfach nur ein langsam aber sicher alternder Nerd, der sich gelegentlich dafür entschuldigen muss, dass er den korrekten Umgang mit Besteck erst kürzlich vermittelt bekommen hat und der Löffel noch immer eine große Herausforderung darstellt.

Immerhin, eine Kaffeetasse hab ich ganz gut im Griff, also habe ich mich ins Kaffeehaus gesetzt und genieße den sonnigen Morgen, den Ausblick auf schöne Frauen und frage mich, warum Berlin nicht so entspannt wirkt wie die K.u.K.-Donaumetropole. Dabei sind die Bäckereiverkäuferinnen in Wien-Meidling mindestens so freundlich wie der sprichwörtlich zuvorkommende Berliner Busfahrer - nur versteht das ungeübte Ohr die Verwünschungen, die sie dem vor dem unübersichtlichen Angebot an Golatschen, Weckerln, Kipferln und Stangerln unentschlossen Zögernden entgegenschleudern nicht so gut und bucht die Schimpfwortkanonade als putzigen Wiener Schmäh ab. Ach, egal, Wiener sind dennoch sehr gemütliche Menschen und die Stadt definitiv ein Ort zum Leben.

Abendstimmung in Schwechat

Zum Thema Kaffee fällt mir noch ein: Ich hab's probiert! Ich wollte eine Woche ohne Kaffee auskommen. Einfach nur um das Gerücht zu überpüfen, Koffein würde süchtig machen. Der erste Tag war merkwürdig hohl, als würde etwas fehlen. Natürlich war vollkommen klar, dass es der Gang zur Espressomaschine war. Die erste Nacht war unruhig und von dumpfen Kopfschmerzen umwölkt. Der zweite Tag war fahrig, und der Früchtetee kein wirklicher Ersatz. Aber zumindest gab er mir einen Grund, bisweilen vom Schreibtisch aufzustehen. Irgend so eine Prozedur scheint man zu brauchen, eine, die nichts mit der Arbeit zu tun hat und einem die Chance gibt, für fünf Minuten abzuschalten. Immerhin ließen irgendwann am dritten Tag die Kopfschmerzen nach - eine unbestimmte Unruhe blieb jedoch. Ab dem vierten Tag dann die überraschende Erkenntnis, wie frisch man nach 8 Stunden Programmierung noch sein kann. Das am Abend nicht lähmende Müdigkeit stehen muss. Ums kurz zu machen: Nach einer Woche war ich entwöhnt und nichts zog mich mehr zur Kaffeemaschine. Nichts? Naja, fast nichts. Der gesellschaftliche Druck auf Nichtskaffeetrinker ist enorm. Kein Termin, bei dem man nicht zuerst einen Kaffee angeboten bekommt. Und insbesondere hier in Österreich hört man doch allzu gern das: "Ach, geh'ma noch auf ahn Kaffee!" Also habe ich irgendwann nach ein paar Wochen nachgegeben und wieder damit angefangen. Und jetzt, wo ich weiß, wie unangenehm das Aufhören ist, komme ich auch nicht noch einmal in Versuchung, es zu probieren. Prost!

 

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